Fastenzeit 2021

digitaler Fastenkalender

3. März 2021 / Mittwoch

Fasten

Denkmuster

Sich unterbrechen
im alltäglichen Einerlei,
eingespielte Gewohnheiten ablegen
wie einen verschlissenen Mantel.

Aussteigen aus dem
„Das war schon immer so“,
alte Denkmuster überprüfen,
ob sie noch taugen.

Frei werden, Neues einlassen
in Herz und Hirn.
Das Unmögliche für möglich halten
Und dem Himmel die Türen öffnen.
(Tina Willms)

2. März 2021 / Dienstag

Schneeflockenzeit

(von Christine Sinnwell-Backes)

Schneeflocken

Ein Zauber lag in der Luft, so zart und fein wie die Schneeflocken, die dicht an dicht vom Himmel schwebten. Die Straßen waren von unzähligen Lichtern festlich beleuchtet. Ein Hauch von Weihnachten schwebte zusammen mit dem Duft von Zimtwaffeln durch die Luft. Mitten in dem Flockentreiben stand reglos eine alte Frau. Zwischen all den hastenden, eilenden Menschen bildete sie einen ungewohnten Ruhepol. Den Kopf in den Nacken gelegt stand sie da und blickte in den dunklen Abendhimmel, aus dem die weiße Flockenpracht unaufhörlich fiel. Schwer bepackte Menschen hasteten an ihr vorbei. Zaghaft lächelte die Alte, öffnete vorsichtig die Hand und ließ einige Schneeflocken auf ihrem warmen Handrücken schmelzen. Hektische Schritte näherten sich ihr. „Da bist du ja, Mutter. Wir haben dich schon überall gesucht.“

„Ich bin hier.“, lächelte die Alte. „Das sehe ich.“ Der genervte Blick ihrer Tochter sprach Bände. „Du kannst in dieser Menschenmasse doch nicht einfach stehen bleiben.“ Die Alte schaute noch einmal in den Himmel. „Das kann ich schon. Vielleicht solltest du es auch einmal versuchen. Das Innehalten.“ Liebevoll blickte sie zu ihrer Enkeltochter, die an der Hand ihrer Mutter auf und ab wippte. „Wie wäre es, wenn wir Beide einen Schneeflockenspaziergang machen und deine Mutter weiter Weihnachtsbesorgungen machen lassen?“ Begeistert quietschte ihre Enkelin auf. „Wie geht ein Schneeflockenspaziergang?“ Sie wechselte von der Hand ihrer Mutter zu der ihrer Großmutter. Nervös huschte der Blick ihrer Mutter auf die Uhr. „Einverstanden. In einer Stunde treffen wir uns wieder hier.“ Ihre davoneilenden Schritte wurden vom Schnee verschluckt. Großmutter und Enkelin bummelten gemütlich zum Park, der an diesem Winterabend ruhig unter einer weißen Decke lag.

An dem vereisten Brunnen schauten sie gemeinsam auf die durchschimmernden Münzen auf dem Brunnenboden. „Schau nur, die Wünsche sind ja eingefroren.“, stellte das Mädchen fest. Die Großmutter lachte. „Meinst du? Die großen Wünsche tragen die Menschen in ihren Herzen. Die lassen sich in einem Brunnen nicht einsperren.“ Neugierig betrachtete die Kleine ihre Großmutter. „Gehen alle Wünsche in Erfüllung?“ Die Großmutter schüttelte den Kopf. „Alle nicht. Manche sind zwar nicht unter Eis begraben, aber in den Herzen der Menschen, die sich nicht trauen, sie frei zu lassen.“ Verwirrt schüttelte das Mädchen den Kopf. „Das verstehe ich nicht.“ Liebevoll nahm die Alte die Hände ihrer Enkeltochter in ihre. „Schau, das ist so: viele Menschen haben verlernt wie das Wünschen geht. Sie wissen oft gar nicht mehr, was sie wirklich wollen. Was ihnen wahrhaftig wichtig ist. Und wenn man das nicht weiß: was soll man sich dann wünschen?“ „Mir bist du wichtig. Und Mama. Und Papa.“ Die Kleine lächelte und die Großmutter fuhr fort: „Du mir auch, mein Schatz. Und weil du mir wichtig bist, schenke ich dir das Kostbarste was ich habe.“ „Deine goldene Kette?“ Die Großmutter lachte. „Nein, meine Zeit.“ Die Kleine nickte eifrig. „Das finde ich auch viel besser, als die Goldkette. Die kann man sich ja nur umhängen.“ Vorsichtig fing die Großmutter eine Schneeflocke und zeigte sie ihrer Enkelin. "Jede Schneeflocke gibt es nur ein einziges Mal. Sie alle ähneln einander und doch ist jede einzigartig.

Schneekristall

So ist das auch mit den Tagen in unserem Leben. Viele gleichen sich und doch kommt jeder Tag nur einmal. Jede Minute ist eine Schneeflocke, die uns kurz die Möglichkeit gibt uns an ihr zu erfreuen und die dann zerschmilzt.“ Gemeinsam ließen sie die Schneeflocken auf ihren Händen landen. Die Kleine seufzte. „Wie schade, dass sie schmelzen müssen.“ Ihre Großmutter lächelte: „Das ist der Lauf des Lebens. Wichtig ist, dass wir die Schneeflocken wahrnehmen und uns ihre Kostbarkeit bewusst wird.“ Nachdenklich legte ihre Enkeltochter den Kopf in den Nacken und ließ sich die Flocken ins Gesicht fallen. „Ich glaube, Mama hat verlernt die Schneeflocken zu sehen. Sie eilt immer nur von einem Termin zum anderen. Nie hat sie Zeit. Und wenn sie dann stehen bleibt, sieht sie nur noch den Schneematsch der übrig ist.“ Ihre Großmutter lachte laut auf. „Das hast du gut beobachtet. Viele sehen leider nur noch den Schneematsch. Vielleicht müssen wir dafür sorgen, dass deine Mama die Schneeflocken wieder sieht, bevor sie sich in grauen Matsch verwandeln?“

Gemeinsam schlenderten sie zurück zum Treffpunkt. „Mama, wir haben Schneeflocken beobachtet!“ Begeistert rannte die Kleine ihrer Mutter entgegen. „Oma hat mir erklärt, dass jede Schneeflocke nur einmal kommt und du musst mitkommen und sie mit uns anschauen und nicht nur den Schneematsch sehen!“ Verwirrt huschte der Blick der Mutter zwischen Großmutter und Enkeltochter hin und her. „Hast du zu viel Glühwein getrunken?“ Fragend schaute sie ihre Mutter an. Diese lachte. „Höchstens zu viel Leben!“ Energisch zog die Kleine Oma und Mama mit sich zurück in den Park. Ihre Mutter seufzte. „Ich bin noch nicht fertig mit allen Besorgungen. Hat das nicht Zeit?“ „Deine Besorgungen haben Zeit.“, lächelte die Alte. „Jetzt ist Schneeflockenstunde.“ Die Mutter seufzte. Den Tonfall kannte sie. Ergeben schulterte sie ihre Taschen und Tüten und folgte den Beiden in die Stille des Parks. Leise knirschten ihre Schritte im Schnee. Vor dem Brunnen blieben sie stehen. „Streck die Hand aus.“ , forderte die Kleine und die Mutter gehorchte. Im gleichen Moment landeten die ersten zarten Flocken auf ihrer Hand. „Schau Mama. Die Oma hat es erklärt: Jede Flocke gibt es nur einmal und so ist es auch mit unserem Leben. Jeder Tag kommt nur einmal. Und nur wenn wir stehen bleiben und hinschauen…“ „…sehen wir die Schönheit des Moments.“, vollendete die Mutter den Satz. Sie blickte zu der Alten, die still in den Himmel schaute. „Das hast du mir damals schon immer gesagt, als ich noch klein war. Ich habe es ganz vergessen.“ Aufgeregt hüpfte die Kleine um die Frauen herum. „Und weißt du noch was? Oma hat gesagt, dass die Schneeflocken-Zeit viel mehr wert ist als ihre Goldkette.“

Die Frauen lachten. Verstohlen wischte sich die Mutter eine Träne aus den Augenwinkeln. „Das habe ich wohl ganz verdrängt im Laufe der letzten Jahre. Danke, dass ihr mich daran erinnert habt.“ Die Kleine streckte ihre Zunge heraus, ließ eine Schneeflocke darauf schmelzen. Genießerisch schloss sie die Augen. „Ich will in meinem Leben immer die Schneeflocken sehen und nicht nur den Schneematsch!“ Auch ihre Mutter ließ einige Schneeflocken auf ihrer Zunge zergehen. Mit jeder zarten Flocke nahm sie sich vor, ihrem Leben wieder mehr Schneeflockenzeit zu schenken. Voller Liebe betrachtete die Alte Tochter und Enkeltochter. Bei sich dachte sie: „Jeder Moment ist ein Geschenk. Jeder Tag wartet darauf, von uns gekostet zu werden. Das Leben ist wirklich eine Schneeflockenpracht! Und wo es für die einen nur dichtes Schneegestöber ist, wo sich Schneeflocke an Schneeflocke aneinanderreiht um irgendwann als grauer Brei zu enden, ist es für den anderen ein Zauber der sich jeden Tag aufs Neue entfaltet und unsagbare Schönheit in sich trägt.“

Ganz still standen die Drei da und sahen den Schneeflocken bei ihrer Reise zur Erde zu. Hand in Hand: Jede Schneeflocke einzigartig. Blick in Blick: Jeder Tag nur einmal. Tief im Herzen: Dankbar, dieses eine kostbare Leben miteinander zu teilen. Und inmitten des Flockengestöbers ließen sie ihre Wünsche tief aus ihren Herzen in den Himmel empor steigen.

1. März 2021 / Montag

Wir sind wie …

Wäsche

… die Wäsche, die gewaschen werden muss
… der Boden, der geputzt werden muss
… der Rasen, der gemäht werden muss
… das Senfkorn, das gegossen werden muss
… das Scharnier, das geölt werden muss
… das Schaf, das geschoren werden muss

Das alles kann nicht ohne Hilfe geschehen – Für uns bist du diese Hilfe. Amen.
(verfasst von Paulina Rullich und Kerstin Winkel / entnommen Pray @ School)

28. Februar 2021 / Sonntag

Sieben Farben

Regenbogen

Möge der Regenbogen
für dich wie eine Brücke sein,
über die du ins himmlische Paradies gelangst.
Mögen die sieben Farben des Regenbogens
für dich wie die sieben Siegel der Treue Gottes
zu dir sein.
(Irischer Segenswunsch)

27. Februar 2021 / Samstag

Herr in dieser Zeit ist meine Seele so leer,
so liegt einsam vor Dir
Nichts als Ohnmacht und Hilflosigkeit.
Krankheit und Leiden aller Orten.
Selbst die Eule, die gern in Ruinen nistet, ist nicht mehr zu hören.
Nur die Leere und die Angst, wo wird die Krankheit mich hinführen?

leer Holzschale

Herr fülle meine Seele mit deiner Liebe!
Vater Unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
Herr Du treuer Gott.
Du thronst über dem Lobpreis!
Du bleibst bei mir, selbst wenn ich alles loslassen muss, selbst mein Leben.
Du bist mein Halt, selbst wenn mich alles verlässt.
Herr ich vertraue auf dich heute und in Ewigkeit. Amen

26. Februar 2021 / Freitag
Amen

Amen-Verdeutschungen wie „es steht fest“, „es gilt, „so sei es“, aber auch das klangvollere und kürzere „wahrlich“ oder „jawahr“ (verwendet in der Torah-Übersetzung von M. Buber u. F. Rosenzweig) haben die hebräische Vokabel nicht zu verdrängen vermocht. Ihr scheint eine elementare Kraft eigen zu sein, die durch Übersetzungen offenbar stets abgeschwächt wird.
(Kurt Marti)

25. Februar 2021 / Donnerstag

Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)

Sonnenaufgang
24. Februar 2021 / Mittwoch

Speiseplan der Woche

Kinder Familie

Montag
Familie Schmitz isst Nudeln mit Tomatensoße.
Familie Msukwa teilt sich eine Schüssel Nsima (afrikanischer Maisbrei).

Dienstag
Familie Schmitz isst Kartoffelsalat mit Würstchen.
Familie Msukwa teilt sich eine Schüssel Nsima.

Mittwoch
Familie Schmitz isst Frikadellen mit Ketchup.
Familie Msukwa teilt sich eine Schüssel Nsima

Donnerstag
Familie Schmitz holt sich Currywurst beim Griechen.
Familie Msukwa teilt sich eine Schüssel Nsima.

Freitag
Familie Schmitz isst Bratkartoffeln mit Rührei.
Familie Msukwa teilt sich eine Schüssel Nsima.

Samstag
Familie Schmitz bestellt Pizza beim Italiener.
Familie Msukwa teilt sich eine Schüssel Nsima.

Sonntag
Familie Schmitz isst Schnitzel mit Pommes Frites
Familie Msukwa teilt sich eine Schüssel Nsima.

23. Februar 2021 / Dienstag

falsch herum

auf dem Kopf

Wir Menschen denken falsch herum ...
wir wollen schnell erwachsen werden ...
und später wünschen wir uns die Kindheit und Jugend zurück.

um Geld zu verdienen, setzen wir unsere Gesundheit aufs Spiel ...
und später geben wir viel Geld aus, um
wieder gesund zu werden.

Wir denken so sehr an die Zukunft, dass wir die Gegenwart vergessen ...
und am Ende erleben wir weder die Gegenwart noch die Zukunft.
Wir leben so, als würden wir nie sterben
und dann sterben wir, als hätten wir nie gelebt!

22. Februar 2021 / Montag

Auf Verzicht verzichten

Smiley

Vielleicht hatten wir gerade in der Corona Zeit schon eine lange Zeit des Verzichts und der Entbehrungen – eine lange Fastenzeit. Vielleicht brauchen wir nun etwas Schönes, etwas, was uns aufhellt.

Wie wäre es denn heute mal damit, den Blick auf etwas Schönes zu lenken. Freude zu verschenken, ganz bewusst!

Jemanden anrufen, den ich schon lange mal anrufen wollte,
einfach eine Blume verschenken,
jemandem ein Lächeln schenken!
Eine Postkarte mit einem Gruß versenden,
ein schönes Bild malen,
oder einfach nur mal zu schauen, was ich Schönes in meiner Umgebung
oder in der Natur finde und bewusst wahrnehmen.

21. Februar 2021 / Sonntag

Sagen wir Ja oder Nein

Wüste

Wir kennen das Evangelium des ersten Fastensonntags:
Jesus wird in der Wüste versucht.
An der Entscheidung kommt niemand vorbei und
wer sich enthält sagt Nein.
Es geht um Gut und Böse, um Ja oder Nein, um Leben und Tod.
Gott ist das Leben, in Ihm sind die Quellen des Lebens.
Wasser ist Leben und das Wasser ist das Zeichen für Gott.
Sagen wir Ja zu Gott und Ja zu unserer Taufe.

20. Februar 2021 / Samstag

Herr in Deiner Hand

Schneeglöckchen

Herr in Deiner Hand verwandelt sich die Welt.
Du sprichst:
Ich bin die Auferstehung und das Leben!
Und alles ändert sich vor unseren Augen.
Unsere Freude, die so rasch vorübergeht,
wird uns zum Anfang ewiger Freude,
der Augenblick des Glücks
zu einem zeichen ewiger Fülle und Freiheit.
In Christus ist die Erde auferstanden.
In ihm ist der Himmel auferstanden.
In ihm ist die Welt auferstanden.
(Jörg Zink)

19. Februar 2021 / Freitag

Vom Dunkel ins Licht

Friedhof und Krokusse

Der Weg von Aschermittwoch bis Ostern, das ist ein Weg
von der Wüste zum Garten
vom Tod zum Leben
vom Dunkel ins Licht
vom Fasten zum Feiern
von der Entbehrung zur Erfüllung
vom Durst zum Wasser
vom Baum des Todes zum Baum des Lebens
von der Entscheidung zum Aufbruch hin zum Ziel

18. Februar 2021 / Donnerstag

Lob der kleinen Schritte

Illustration Worte kleine Schritte

Wir loben die kleinen Schritte.
Den mann, der das voreilige Wort nicht ausspricht.
Die Stimme, die sagt: Pardon, ich bin schuld.

Wir loben die kleinen Schritte.
Die Faust in der Tasche.
Die nicht zugeschlagende Tür.
Das Lächeln, dass den Zorn wegnimmt.

Wir loben die kleinen Schritte.
Das Gespräch der Regierungen.
Das Schweigen der Waffen.
Die Zugeständnisse in den Verträgen.

Wir loben die kleinen Schritte.
Die Stunde am Bett des Kranken.
Die Stunde der Reue.
Die Minute, die dem Gegner recht gibt.

Wir loben die kleinen Schritte.
Den kritischen Blick in den Spiegel.
Die Hoffnungen für den anderen.
Der Seufzer über uns selbst.
(Rudolf Otto Wiemer)

17. Februar 2021

Aschermittwoch

Ich bekomme Lust auf dieses Geheimnis

Text einer Rundfunkandacht nach Stepanie Brall

Fastenkalender Blumentöpfe auf Fensterbank

„Bedenke Mensch, dass du Staub bist
und wieder zum Staub zurückkehrst!“,

mit diesen Worten erhalten
an Aschermittwoch
Menschen in Kirchen
ein Aschekreuz auf der Stirn  -
zum Beginn der 40-tägigen Fastenzeit auf Ostern hin.

Mich lassen diese Worte vom Staub fragen:
Woher komme ich?
Wohin gehe ich?
Wer bin ich?
Und: Was hat es mit diesem Staub – dieser Asche – auf sich?

Ich finde heraus,
dass Asche früher als Putzmittel verwendet wurde.
Fastenzeit und Frühjahrsputz
also gar nicht so weit voneinander entfernt.

Auch beim inneren Frühjahrsputz spielte Asche eine Rolle:
Menschen, die trauerten oder etwas bereuten,
zerrissen ihre Kleider und streuten sich Asche auf den Kopf;
manche setzten sich sogar in die Asche hinein.

Und zu noch etwas ist Asche gut:
als Dünger im Garten.

Das, was vorher so groß schien,
- dicke Balken, das ganze Gestrüpp –
fällt also bei einem Feuer in sich zusammen
zu einem Häufchen Asche,
und diese Asche hat
reinigende und düngende Kraft …

… aus verbrannter Erde
wird fruchtbarer Boden?!

Ich bekomme Lust auf dieses Geheimnis.
Auf Wandlung, auf das Neue, auf Frühling:
Ich hole die Blumentöpfe aus dem Keller,
besorge Erde und Saatgut
und dann lege ich los.

Während die Menschen früher
rund um Aschermittwoch

an die Vertreibung aus dem Paradiesgarten dachten,
lege ich heute ein Paradiesgärtchen an.
Hier auf meiner Fensterbank.

Was mich traurig macht,
oder was ich bereue,
und was ich loslassen will –
das mische ich wie Asche unter die Erde.

Und dann säe ich jede Menge Neues
- junges Gemüse und kunterbunte Blumen -
und komme dabei ins Nachdenken:
Wovon wünsche ich mir,
dass es wächst, Raum bekommt?

Und, darf ich mir was vom Himmel auf Erden wünschen?
Nicht nur für mich,
für die ganze Welt?

Vom Himmel auf Erden
redete Jesus vor 2000 Jahren schon,
und kam dabei ebenfalls aufs Gärtnern.

Mit dem Himmel auf Erden ist es wie mit einem Senfkorn, so sagt es
Jesus.

Ein Senfkorn ist das kleinste unter den Samenkörnern.
Fast verschwindet es in meiner Hand.
Wenn ich es loslasse,
fliegt es weit und fällt tief,
runter,
in die Erde,
und verliert sich …

… im Dunkeln
kommt es an
und stirbt.

In diesem Senfkorn steckt für Jesus
der ganze Himmel drin:

Hör mal,
wie es atmet.
Schau,
es dreht sich um,
gräbt sich ein,
wühlt auf …

schlägt Wurzeln,
sammelt sich
und findet Halt
in der Tiefe …

… richtet sich aus und auf,
gezogen vom Licht,
sucht es sich seinen Weg,
mit aller Macht, ganz zart,

bis es durch die Oberfläche bricht,
noch ganz grün hinter den Ohren,
pass auf, dass du nicht drauf trittst …

… und schau her, wie es wächst,
bald groß wie ein Grashalm,
den Blumen nach,
bald weit wie ein Strauch
und noch darüber hinaus,
als Baum zeigt es sich,
mit Zweigen weit,
in alle hundert Himmelsrichtungen …

… dass die Vögel
zwischen Himmel und Erde
ein Zuhause finden
und Nester bauen darin …

So sitze ich über meinen alten Blumentöpfen,
voller Erde, darin die Samenkörner.
Und ich erinnere mich
an eine spanische Mystikerin aus dem 16. Jahrhundert
- Teresa von Ávila -,
wie sie die Seele unter anderem mit einem Garten verglich.
Ein Garten, der gehegt und gepflegt und bewässert werden möchte.

Und ich stelle mir vor,
ich selbst bin ein solcher Garten.
Unscheinbar vielleicht, grenzenlos,
umgegraben oder ganz verwildert.

Auf jeden Fall
fällt in mich
dieses
eine
Korn
und dann noch eins,
und noch eins,

und dann stelle ich mir vor,
wie diese Körner Zeit bekommen,
wie mein Leben Zeit bekommt,
nochmal anders zu werden.
Versöhnter und widerständiger,
genügsamer und großzügiger.
Die ganze Fastenzeit lang,
bis Ostern,
und noch darüber hinaus.

Ich stelle mir vor, wie unser aller Leben Zeit bekommt,
um loszulassen
und zu fallen,
Tiefe zu gewinnen,
Halt zu finden,

und um wieder aufzustehen,
in die Weite,
jeden Morgen neu
ins Licht.

Dort hinein
stelle ich meine Blumentöpfe jetzt,
all die klitzekleinen Samenkörner
in der dunklen Erde,
meine Gedanken und Gebete,
an diesem neuen Morgen,
auf die Fensterbank:

ins Licht.